Medizin für Ohnmächtige

Gerade konnte ich mit ansehen wie mein Hausnachbar in die Mühlen der HP-Telefonhotline geraten ist. Es geht nicht um Support (was HP etwas kostet) sondern um eine Bestellung von Tintenpatronen mit Gutscheincode (was HP Geld einbringt). Auch nach dem vierten Anruf hat er sich heillos in den zahllosen in- und ausländischen Call-Centers verheddert – und die Bestellung ist noch immer nicht gelungen.

Schlimmeres durfte ich erleben, als ich im vergangenen August einen Garantieanspruch auf einen defekten HP-Drucker anmeldete. Der Supportablauf war voll von Widersprüchen, und es grenzt an ein Wunder, dass es am Schluss geklappt hat. Gekostet hat mich das mindestens 4 Stunden meiner Zeit für 4 Mails, das Ausfüllen von 2 online Formularen, 6 Anrufen und 3 Besuchen des Postamts.

Mittlerweile habe ich einen Graus davor mit einem Anliegen an eine Telefonhotline zu gelangen. Wenn ich schon den Spruch höre “bitte tippen Sie die 2 wenn…” kriege ich Aversionen. Wer steuert da noch wen? Ich das automatisierte Supportsystem, oder das System mich?

Was kann man da nur machen? Zu einem Konkurrenten gehen – der mit grosser Wahrscheinlichkeit genau so schlecht ist?

Mir hat eine Medizin geholfen: Satire! Einfach wunderbar war z.B. die Aktion des belgischen Basta Teams, das den berüchtigten Mobiltelefon-Anbieter Mobistar mit einer Telefonhotline zur Verzweiflung bringt (unbedingt bis zu Ende sehen – die Schlusspointe ist die beste)

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Absolute Humidity Calculation Tool

For my personal needs I programmed a web-based tool that calculates a table of absolute humidity values for a given temperature and relative humidity.

http://rolfb.ch/projects/humidity-table

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Best Of Wikileaks

Die Enthüllungen rund um Wikileaks haben in meinem Freundes- und Bekanntenkreis zahlreiche anregende Diskussionen angestossen. Viele hegen – wie ich – einige Sympathien für das Wikileaks Projekt, wenn auch nicht ohne Kritik und Vorbehalte. Vielleicht thematisiere ich das mal bei Gelegenheit an anderer Stelle. Zunächst aber freue ich mich über die Wikilieaks, bzw. Cablegate zu verdankenden Veröffentlichungen, die mündigen Bürgern wichtiges Material für die politische Diskussion in Demokratien liefern.

Die Electronic Frontier Foundation hat eine schöne Zusammenstellung gemacht: http://www.eff.org/deeplinks/2011/01/cablegate-disclosures-have-furthered-investigative

Mir “gefallen” ausserdem:

Bitte mehr davon!

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Facebookprognose

Prognosen sind schwierig. Bei den Diensten von Amazon, Google war ich von Anfang an überzeugt, dass sie erfolgreich sein werden. Die Geschäftsidee ist einleuchtend, und wenn es nicht diese Firmen sind, die sich damit durchsetzen, dann sind es Konkurrenten mit vergleichbaren Produkten. Auch das Platzen der Dotcom Blase sah ich voraus (ehrlich!) ebenso den Abstieg von second life und myspace. Ich gebe aber freimütig zu, dass ich bei einigen Produkten von deren Erfolg bass überrascht war, z.B. SMS (zu umständlich), iPod (nicht neues), iTunes Shop (zu teuer).

Egal – im Nachhinein ist man immer schlauer, und darum wage ich jetzt mal eine Prognose, auf die man mich dann auch behaften kann.

Der aktuelle Hype auf dem Web – ganz klar ist Facebook. Ich bin überzeugt, dass Facebook kurz vor seinem Zenith steht und danach stetig an Bedeutung verlieren wird. In 3-4 Jahren wird sich die Begeisterung für FB schon deutlich gelegt haben, und in 6-8 Jahren spricht kaum noch einer davon. So das sind doch einigermassen klare Aussagen, und ich bin selber gespannt wie’s rauskommt. Hier noch ein paar Gründe für meine Behauptungen:

Ich habe FB während nicht ganz 2 Jahren selber ausprobiert und kann die Begeisterung vieler durchaus nachvollziehen. Die ständigen Updatemeldungen von Personen aus dem eigenen (echten) Freundeskreis haben das Potenzial süchtig zu machen. Aber, so denke ich, diese Abhängigkeit ist nicht nachhaltig. FB Nutzer sind nicht treu, und werden schnell auf andere Plattformen umsteigen, wenn welche in Mode kommen.

FB fehlt das Geschäftsmodell. Das bisschen Werbung wird nicht reichen. FB Nutzer begeben sich auf die Plattform mit einem ganz spezifischen Ziel: mit ihren Freunden in Kontakt zu treten, und eben genau nicht um Kleider, Bücher oder Geräte zu kaufen. Ein Auftritt beispielsweise einer Buchhandlung in FB wird langfristig nicht einträglich sein. Darauf weisen auch neuere empirische Studien hin. Aus genau diesem Grund kann das lukrative Werbegeschäft von Suchmaschinen wie Google nicht mit Werbung in FB verglichen werden.

Der Umstand dass Goldman Sachs bei FB einsteigt stützt meine These eher. Goldman Sachs war immer schon an kurzfristigen Gewinnen interessiert, und haben es bis jetzt gut verstanden Spekulationsblasen aufzupumpen, dabei viel Geld zu verdienen und im richtigen Moment abzuspringen. Es würde mich nicht wundern wenn die schon bald heimlich auf einen Abstieg von FB wetten würden, während sie eifrig FB Anteile anpreisen (so wie sie es in der Immobilienblase getan haben).

Ich sehe an gewissen Stellen ein Potenzial von FB mit offensichtlichen Geschäftsmöglichkeiten: 1) bei der Stellenvermittlung und 2) bei Produkteempfehlungen. Beides würde aber einen Umbau von FB erfordern, und ich denke dass alternative (noch nicht existierende) Plattformen die besseren Erfolgsaussichten haben weil sie spezifischer ausgerichtet sind.

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NoSQL – Was, Wann, Wie, Warum?

Vielleicht geht’s euch ja auch so wie mir: Ich hatte schon viel gehört über NoSQL-DBs aber mehr als Oberflächliches wusste ich nicht.

Wen das Thema interessiert, dem kann ich den Heise-Developers Podcast ans Herz legen. Die Episode 22 vom Juli 2010 ist eine kurzweilige Einführung, die eben die Fragen beantwortete die ich mir zu NoSQL immer gestellt hatte – und dies genau auf dem Niveau, wo ich es gerade noch verstehe. Das Gespräch zwischen den drei Experten dauert 75 Minuten, darum sollte man es sich in einer ruhigen Zeit anhören, wenn man nicht unterbrochen wird. Zum Beispiel: auf’s iPhone laden und einen schönen Waldspaziergang machen.

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Plädoyer für Tugend, Weisheit und moralisches Handeln

In den immer wieder inspirierenden TED Talks ist mir der der Vortrag von Barry Schwartz über den fortschreitenden Verlust von Weisheit aufgefallen. Weisheit ist ein grosses Wort, und vielleicht müsste man den Begriff eher mit gesundem Menschenverstand übersetzen. Interessant ist jedenfalls seine Definition. Praktische Weisheit:

  • heisst, im richtigen Moment und in der richtigen Art Regeln zu missachten.
  • ist die Fähigkeit zu improvisieren.
  • heisst, über moralische Fähigkeiten zu verfügen und damit das Richtige zu tun.
  • ist eine erlernte Fähigkeit.

Schwartz ist ein hervorragender Präsentator und er führt zahlreiche treffende Beispiele an. Und er bringt es auf den Punkt wenn er sagt, dass man nicht brillant sein muss um weise zu sein, aber dass Brillanz alleine nicht genüge wenn man sich selbst und den Mitmenschen keinen Schaden zufügen will. Dies konterkariert zielsicher das fast schon blinde Streben nach Exzellenz in unseren modernen westlichen Gesellschaften.

Aber was ist weise, und vor allem, wie entwickelt man eine Gesellschaft in diese Richtung? Schwartz bezieht sich öfters auf die Schule. Bemerkenswert ist aber seine Aussage, dass es definitiv nicht zusätzlichen Ethikunterricht oder Seminare braucht. Vielmehr sei es wichtig positive (vielleicht auch negative?) moralische Beispiele – er spricht etwas pathetisch von Helden der Moral –  zu nennen und öffentlich darüber zu debattieren. Das finde ich schon fast genial, denn Moral kann nicht von oben herab eingetrichtert werden, sondern muss im gesellschaftlichen Diskurs erarbeitet und somit inhaltlich definiert werden.

Schwartz kritisiert den reflexartigen Ruf nach neuen Regeln, wenn mal etwas schief gegangen ist. (Dies kann man aktuell wieder sehen mit dem dioxinverseuchten Eiern in Deutschland.) Auch ausgefeilte Anreizsysteme werden das Problem nicht lösen. Es brauche zwar sinnvolle Regeln und Anreize, aber um das Richtige zu tun wird es immer auch die Fähigkeit der Menschen brauchen moralische Urteile fällen zu können.

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Die neuen Swisscom Roamingtarife

Wenn man im Ausland mit einem aktuellen Smartphone unterwegs ist, dann möchte man die Verbindung ins Internet nicht missen. So geht das auch mir: mal schnell Mails checken, eine Unterkunft suchen oder mit Hilfe der online-Karte und GPS die Orientierung wieder finden. Das ist schon sehr praktisch.

Leider vergällen einem die haarsträubenden Datenroamingtarife die Freude. Swisscom hatte 10.- pro MB verlangt – da weiss man gar nicht ob man ungläubig lachen oder verzweifelt heulen soll. Mit der World Option Flex hat man dann für einmalig 9.- pro Monat “nur” noch 2.- pro MB berappen müssen. Das war zwar nicht billig, aber wenn man sich auf das Nötigste beschränkte durchaus tragbar. So hatte ich bei meinen letzten 10-tägigen Griechenlandferien den Vorsatz gefällt, pro Tag ca 1 MB zu versurfen. Ein solches Nutzerverhalten kostete dann 10×2.- + 9.- also 29.-

Als ich dann neulich den Brief mit dem Betreff “World Option Flex mit neuer Tarifstruktur” von der Swisscom erhielt freute ich mich, weil ich mit einer Preissenkung rechnete. Nachdem ich mich im Brief durch das nicht zu knappe Eigenlob gekämpft hatte und zur Tarifbeschreibung vorgedrungen war runzelte ich nur noch die Stirn. Auch nach mehrmaliger Lektüre habe ich den neuen Tarif nicht verstanden. Insbesondere war mir nicht klar, was nun 10x1MB in Griechenland kosten würden.

Ich ging dann in den nächsten Swisscom Shop um mir den Tarif erklären zu lassen. Dort konnte man nur schwer verbergen, dass man von einem neuen World Option Tarif noch nie etwas gehört hatte. Zum Glück hatte ich das neue Tarifblatt dabei. Der nette Herr A. meinte, in den 9.- pro Monat seien täglich 10MB inbegriffen. Mein Nutzungszenario koste also 9.-. Wie sich später herausstellen wird, ist das eine glatte Falschauskunft.

Da ich mir der Sache nicht sicher war, beschloss ich den Swisscom Telefonsupport mit derselben Anfrage zu kontaktieren: “Was kosten 10x1MB in Griechenland?”. Der lüpfig-aufgestelle Supporter am anderen Ende meinte fröhlich dass der neue Tarif tatsächlich etwas erklärungsbedürftig sei, und dass er mir gerne helfe. Seine Erklärung war für mich unverständlich, darum bat ich um eine Berechnung meines Nutzungsbeispiels. Der arme Herr geriet darob dermassen ins Schleudern, dass er sich für 7 (!) Minuten zurückzog um in Ruhe rechnen zu können. Als er mir das Resultat präsentierte und ich eine einfache Rückfrage stellte verabschiedete er sich nochmal für 7 Minuten angestrengten Überlegens. Dann meinte er er brauche mehr Zeit und rufe mich zurück. Ein Weilchen später der Anruf mit der Antwort: mein Nutzungsszenario koste mit dem neuen Tarif 79.-, also täglich 7.- für das eine MB.

Mit blieb die Spucke weg. Für mein Nutzungsszenario, das mir nicht so ausgefallen erscheint, muss ich fast drei mal mehr bezahlen als mit dem alten Tarif!

Ich habe zwar keine Freude daran, dass Swisscom Tarife zum Teil massiv erhört. Aber letztlich ist das deren Recht. Es gibt aber einige andere Dinge, die mich wirklich ärgern:

  • Im Begleitbrief ist nirgends die Rede davon, dass sich in gewissen Fällen die Kosten massiv erhöhen. Es wird der Anschein erweckt, als könne ich als Kunde von der neuen Kostenstruktur nur profitieren.
  • Die neue Kostenstruktur ist viel zu kompliziert. Wenn selbst Swisscom Mitarbeiter nicht in der Lage sind ein simples Nutzungsszenario durchzurechnen, dann ist das der beste Beweis für eine zu hohe Komplexität.
  • Der neue Tarif ist schwieriger zu schätzen als der alte, auch wenn man ihn mal begriffen hat. Es wird viel schwieriger ein Gefühl dafür zu entwickeln wie hoch die laufenden Kosten sind, weil man neben der Datenmenge noch die Tagespakete berücksichtigen muss.
  • Die Swisscom Mitarbeiter sind schlecht geschult. Ich hatte schlussendlich zu 4 Mitarbeitern Kontakt, und keiner konnte umgehend Auskunft geben.
  • Ich habe grobe Falschauskünfte erhalten. Da wäre es mir lieber, wenn man zugibt dass man die Antwort nicht weiss.

Das Fazit für mich: 1) ich fühle mich von Swisscom verschaukelt, was mein Vertrauen in die Firma ziemlich dämpft, und 2) werde auf keinen Fall mehr im Ausland mit einem Swisscom Vertrag surfen.

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Kinohighlight 2010

Mein diesjähriger Kinofilmfavorit den ich gesehen habe war nicht Dr. Parnassus oder Inception und schon gar nicht Avatar. Auch die im Kino (wieder)entdeckten Oldies Léon, la piscine (1969) oder Leben einer Blondine (1965) schaffen es nicht auf mein kleines Podest. Den Topfilm habe ich eben vor 2 Stunden gesehehen, und ich bin noch ganz verzückt von Exit through the gift shop.

Der Film tut so, als sei er eine authentische Dokumentation vom Wirken von Street Art Künstlern – im Besonderen von Banksy. Es dämmert einem aber bald, dass dies kein normaler Dokumentarfilm ist. Der Kameramann und Interviewer kann erst gar keine Filme machen, beteiligt sich dann an den Graffitiaktionen und wird schliesslich selbst zum hochgehypten Künstler mit kometenhaftem Aufstieg Mr. Brainwash. Man weiss gar nicht mehr um wen es im Film eigentlich geht: um Banksy oder um Mr. Brainwash oder ist am Ende Banksy gar Brainwash?

Auf jeden Fall ist der Film am Schluss eine frischfröhliche Parodie auf den ganzen Zirkus rund um Künstler, Galerien und modegesteuerten Kunstkäufern die eigentlich keine Ahnung haben. Banksy bleibt seiner kritischen, politischen Linie treu und lässt sich kommerziell nicht vereinnahmen – und macht dabei einen vergnügten Eindruck.

Unbedingt ansehen!

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Updated Radio Station Manager for xtreamer

Based on the feedback of some users I’ve decided to update and change my previous version of the radio station manager for the xtreamer. It should now be easier to import existing plsx files and the script can also be used to directly edit the famous MyRadio folder.

Go to the download and documentation section: http://rolfb.ch/?page_id=128

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Surfverhalten von Studenten

In einer empirischen Studie hat der Web-Usability Experte Jakob Nielsen das Nutzungsverhalten von Hochschulstudenten im Web untersucht. Das Sample bestand aus 43 Studenten aus Europa, Australien und den USA, die insgesamt über 200 Webseiten besucht hatten.

Im Ergebnis räumt Nielsen einige Mythen aus:

Mythos 1 – Studenten sind Technologieexperten: Sie fühlen sich zwar wohl auf zeitgemässen Websites, meiden aber unbekannte oder allzu komplexe Web Elemente.

Mythos 2 – Studenten verlangen ein multimediales und extravagantes Design: Studenten sind sich natürlich gewohnt Multimedia Sites wie Youtube zu bedienen und tun das auch ausgiebig, aber sie wollen nicht unnütz mit Ton und nervösem Gezappel zugemüllt werden. Webseiten werden nach ihrem Aussehen beurteilt, wobei eine einfache und klar strukturierte Gestaltung bevorzugt wird, so dass man sich schnell zurechtfindet. Wenn das Ziel nicht schnell erreicht wird, greifen sie unmittelbar zur Suchfunktion (die hoffentlich vorhanden ist).

Mythos 3 – Bei Studenten dreht sich alles um das soziale Netzwerk: Das soziale Netzwerk wird vorwiegend gebraucht um private Beziehung zu pflegen. Will man jedoch etwas über eine Hochschule oder Firma in Erfahrung bringen, dann besucht man nicht ihre Facebook Seite sondern die Suchmaschine wird angeworfen und die offizielle Website besucht.

All diese Resultate sind für mich nicht sonderlich überraschend, sondern bestätigen meine Einschätzung. In meinem beruflichen Umfeld treffe ich allerdings oft auf die Ansicht, dass die digital Natives über für uns Immigrants unvorstellbare Fähigkeiten und Ansprüche bezüglich Web und Technologie haben. Ich trete bei diesem Thema für eine differenziertere Betrachtungsweise ein. Darum bin ich froh um Studien wie diese von Nielsen, die sauber empirisch vorgehen, und eine solide Basis für Diskussionen und Analysen darstellen.

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